Der Rotkohl färbt die Sauce rosa.

Nochmal Rotkohl – der bringt Farbe in den Winter

Es ist einfach viel zu trübe und zu trist, um in den Garten zu gehen. Sonntag war ich zwei Stunden dort und habe Unkraut gejätet. Muss ja auch mal sein – alles, was ich im Herbst nicht mehr geschafft habe. Mich stört das Unkraut eigentlich nicht so sehr, aber meine Nachbarn. Außerdem verliert der Garten ziemlich schnell seine Struktur, wenn man den Hahnenfuß sein Unwesen treiben lässt. Hübsch gelb ist er im Sommer zwar, aber auch ziemlich penetrant. Um mich aufzuwärmen und den Winter etwas farbiger zu gestalten, koche ich Kohlrouladen aus Rotkohl. Mit rosafarbener Sauce.

Rotkohlrouladen

Dazu mische ich ein Pfund Hack mit drei Scheiben Brot, die ich vorher in Wasser eingeweicht und gut ausgedrückt habe. Das kann Toasbrot sein, Graubrot geht auch. Dazu kommt eine fein gewürfelte Zwiebel, ein Esslöffel Senf und zwei Eier. Das ganze wird mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt, in vier Teile geteilt und zu Kugeln gerollt. Dann schnappe ich mir jeweils zwei Kohlblätter, lege sie so hin, dass sie sich etwas überlappen, und wickle eine Hackkugel darin ein. Man kan die Rouladen entweder mit Lebensmittelbindfaden verschnüren oder mit Spießen feststecken.

Die Rouladen in etwas Fett von allen Seiten anbraten und mit einem Viertelliter Brühe oder Wasser aufgießen. Jetzt müssen sie ca. 45 Minuten schmoren. Wer die Wirkung von Kohl auf’s Gedärm etwas abmindern möchte, kann einen Esslöffel Kümmel zum Kohl geben. Am Ende den Kohl aus der Brühe nehmen und warm stellen. Einen gehäuften Teelöffel Stärkemehl mit wenig kaltem Wasser auflösen, damit die Sauce binden. Durch die Anthocyane im Kohl färbt sich die Sauce rosa. Man kann sie nun mit Sahne, Salz, Pfeffer, Zucker und Zitronensaft abschmecken. Und das ist der Clou: Die Zitronensäure sorgt für einen intensiveren Rotton (siehe letzten Beitrag). Dadurch lassen sich hübsche Farbeffekte erzielen. Wer geschickt ist, kann eine zweifarbige Sauce servieren. Allerdings sollte man mit der Zitrone eher sparsam umgehen, übermäßige Säure lässt sich nur schwer kompensieren.

Interessant ist, dass Rotkohl bereits seit dem 11. Jahrhundert in Deutschland bekannt ist, doch man konnte seine Farbe nicht genau benennen. Denn erst seit dem 18. Jahrhundert gibt es die Farbe Lila auf Deutsch – von der persischen und arabischen Bezeichnung für Flieder übernommen. Bis dahin musste sich ein Deutscher entscheiden, ob er den Kohl eher als blau oder als rot empfindet. Wie im letzten Beitrag beschrieben, war für die Farbgebung des Kohls die Bodenbeschaffenheit entscheidend, was wiederum zu regional unterschiedlichen Bezeichnungen führte. Angesichts des nichtvorhandenen Lilas mussten sich die Sprachunterschiede zwangsläufig zementieren.

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2 Gedanken zu „Nochmal Rotkohl – der bringt Farbe in den Winter“

  1. Hallo, Frau Looß,

    ich habe Ihren Blog erst heute entdeckt und möchte Ihnen gerne genauso privat folgen – Bilder und Texte waren einfach zu verlockend! Spontan fällt mir zum Thema Garten noch meine Wurmkiste ein – falls Sie das noch nicht kennen, hier ein Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Wurmkompostierung
    Das funktioniert wunderbar und jeder faulige Apfel oder jedes lahme Salatblatt bekommt als „Wurmfutter“ nochmals eine neue Bedeutung und muss nicht mehr so doll beweint werden, wenn sie in die Wurmkiste entsorgt werden. Die Würmer sollen es doch lecker haben, um ihren wunderbaren Kompost zu erzeugen 🙂

    Viele Grüße

    Christine Stock

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    1. Hallo Frau Stock,
      das freut mich sehr, dass Ihnen mein Blog gefällt. Danke auch für den Themenvorschlag, über Regenwürmer lässt sich wirklich viel schreiben. Das kann ich demnächst mal machen. Letztlich habe ich ziemlich viele solcher Kisten in meinem Garten – sei es als Hochbeet, als Kompostkiste oder demnächst als Rahmenbeet.
      Viele Grüße
      Brigitte Looß

      Gefällt mir

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