Die jungen Blätter vom Guten Heinrich lassen sich wie Spinat zubereiten.

Steinzeit-Diät: Ach du Guter Heinrich – oder doch lieber Tabbouleh?

Familienbedingt musste mein Blog eine Weile ruhen, so dass ich erst jetzt dazu komme, die folgende Geschichte zu erzählen: Als wir Ende März in fröhlicher Runde zusammen saßen, kam die Sprache auf einen der neusten Modetrends in der Ernährung: Die Steinzeit-Diät. Während eine Freundin den Standpunkt vertrat, dass es in der Steinzeit wohl eher selten Fleisch gab, gingen wir anderen von einem Übermaß an tierischen Proteinen aus. Wobei diese nicht unbedingt vom Großwild, eher von Maden, Insekten und ähnlichem Getier gestammt haben. Das meiste uns heutzutage geläufige Gemüse wird es in Mitteleuropa noch nicht gegeben haben. Vielleicht griffen unsere frühen Vorfahren auf den Guten Heinrich zurück? Zum sommerlichen Wetter passt auch die Tabbouleh sehr gut, deren Weizenanteil eher nicht aus der Steinzeit stammt.

Guter Heinrich

Um das Rätsel der Steinzeit-Diät zu lüften: Laut Wikipedia umfasst die sogenannte Steinzeit einen Zeitraum von etwa zwei Millionen Jahren und sehr viele unterschiedliche menschliche Populationen. Es wurde mal viel und mal wenig Fleisch gegessen. Wie so häufig haben also beide Parteien Recht.

Interessanter finde ich die Frage, welches Gemüse genossen und wie dieses zubereitet wurde. Da das Führen von Kochbüchern noch nicht in Mode war, werden wir wohl nur Vermutungen darüber anstellen können. Spinat hat es zum Beispiel in Mitteleuropa noch nicht gegeben. Dafür erntete man die ersten Blätter des Guten Heinrichts (ältere werden bitter) und kochte sie – jedenfalls in den Alpen, wo diese Pflanze herkommt. Ihre Verbreitung ist wohl älter als das Christentum, deshalb hänge ich der Vorstellung nach, dass schon Steinzeitmenschen in ihren Genuss gekommen sind.

In vielen europäischen Sprachen hat der Gute Heinrich ähnliche Namen, er wird auf Deutsch auch als „Allgut“, französisch „toute bonne“, holländisch „algoede“, spanisch „toda buena“ und italienisch „tutta buona“ genannt. Irgendein heiliger Heinrich soll die Pflanze medizinisch verwendet haben, daher hat sie angeblich seinen Namen behalten (siehe Wolf-Dieter Storl). Genauso gesund wie der Gute Heinrich, aber nicht ganz so lange in Mitteleuropa verbreitet ist die Petersilie, aus der sich ein herrlicher Salat – Tabbouleh – herstellen lässt.

Tabbouleh

In vielen Rezepten wird als Hauptbestandteil von Tabbouleh der Weizenschrot oder Bulgur benannt. Das ist schlichtweg falsch. Wer am späten Nachmittag eine Familie im Libanon oder in Syrien besucht, wird häufig Zeuge, wie in der Küche bergeweise Petersilie verarbeitet wird. Das ist die Grundlage für diesen köstlichen Salat: Mindestens ein armdickes Bund glatte Petersilie – vom türkischen oder arabischen Gemüsehändler, nicht das aus drei vertrockneten Stängeln bestehende Bund aus dem Supermarkt. Dazu kommen ein paar Stängel frische Minze. Die Kräuter werden sehr fein geschnitten. Sind sie zu grob, schimpft die syrische Hausfrau.

Gleichzeitig weicht man etwa eine Tasse Weizenschrot bzw. Bulgur in kaltem Wasser mindestens 10 Minuten lang ein. Nachdem er aufgegangen ist, lässt man ihn in einem Sieb gut abtropfen. Dann hackt man etwa vier Frühlingszwiebeln und würfelt zwei mittelgroße, entkernte Tomaten. Am Ende vermischt man alle Zutaten mit Olivenöl, Zitronensaft, Salz und Pfeffer (Menge jeweils nach Geschmack). Fertig ist eine erfrischende Vorspeise, die im Libanon mit frischen Salat- oder Weinblättern gegessen wird.

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3 Gedanken zu „Steinzeit-Diät: Ach du Guter Heinrich – oder doch lieber Tabbouleh?“

  1. Ein sehr schöner Beitrag! Wie wohl die meisten Deutschen habe ich Tabbouleh immer mit viel Bulgur und wenig Petersilie gemacht. Das probiere ich gleich mal anders herum!

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