Gefüllt schmecken Weinblätter ganz vorzüglich.

Weinlaub kann man essen

Wenn ich so durch den Garten gehe, bricht es mir das Herz, wie vertrocknet alles ist. So langsam komme ich mir vor wie in der Wüste. Selbst, wenn ich jeden Tag mein Obst und Gemüse gieße, sehen die Pflanzen immer vertrockneter aus. Nur ganz hinten im Garten wuchert der Wein der Nachbarn fröhlich vor sich hin und zu uns herüber. Dabei schlingt er sich um alle Büsche, die ich an der Grenze gepflanzt habe. Macht nichts, mit dem richtigen Rezept kann man den grünen Blätter sehr viel kulinarische Freude abgewinnen.

Überlebenskünstler Wein

Die Weinrebe ist eine faszinierende Pflanze. Sie überlebt dort, wo andere Pflanzen angesichts von Trockenheit und kargen Böden nie hingelangen. Das liegt nicht zuletzt an ihren Fußwurzeln, die bis zu 20 m lang werden können. Daneben bildet der Rebstock mehrere Tausend Tagwurzeln aus, die wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche beginnen. Wenn die Tagwurzeln mit Erdarbeiten beschäftigt sind, übernehmen die Seitenwurzeln die Wasser- und Nährstoffaufnahme. Eigentlich sind die Seitenwurzeln dazu da, der Pflanze Halt zu geben. Sind halt multifunktionsfähig, wenn es darauf ankommt.

Auf der anderen Seite benötigt der Weinstock Licht. Deshalb hat er sich zur Kletterpflanze entwickelt und windet sich ungehemmt durch alle meine hinteren Büsche – es sei denn, ich bringe mit der Astschere etwas Struktur in das Chaos. Ein ausgewachsener Weinstock kann bis zu 20 m hoch werden, während beim Stamm ein Umfang von 1,5 ml möglich sein soll. Das habe ich aber noch nie gesehen. Jedenfalls handelt es sich um eine gutmütige Pflanze, die alles dafür tut, leckere Früchte hervorzubringen. Und auch die Blätter lassen sich zu köstlichen Vorspeisen verarbeiten. Wir kennen die gefüllten Weinblätter aus dem Urlaub in Griechenland oder der Türkei. Dabei können wir sie genausogut in Deutschland herstellen, mit dem Weinlaub aus dem Garten.

Gefüllte Weinblätter

Das folgende Rezept ist für etwa 30 Weinblätter gedacht. Man sollte ein paar mehr abpflücken, um damit beim Kochen den Topfboden auszulegen. Die Weinblätter werden zum Weichwerden kurz in kochendes Wasser getaucht – immer nur wenige auf einem Mal. Dann abtropfen lassen.

In der Zwischenzeit begieße ich 120 g Reis mit kochendem Wasser und lasse ihn einweichen. Ich mische 250 g Lammhack mit einer feingehackten Zwiebel, zwei Eßlöffel voll gehackert Petersilie sowie Salz und Pfeffer nach Geschmack. Wer mag, kann Kreuzkümmel oder gehackte Pfefferminze zufügen. Zum Schluss den Reis abgießen und untermischen.

Dann nehme ich mir ein Weinblatt mit der gerippten Seite nach oben vor mir auf ein Brett und gebe etwas Füllung in die Mitte, nahe beim Stiel. Erst schlage ich das Stielende über die Füllung, dann klappe ich die Seiten darüber und rolle das Blatt zur Spitze hin auf. Am Ende entsteht ein kleines, rundum mit Weinblatt bedecktes Paket. Achtung, der Reis ist noch nicht richtig durchgekocht, er geht also noch auf. Deshalb sollte die Füllung nicht zu stramm sein, lieber etwas weniger davon nehmen. Sonst platzt das Paket beim Kochen. Insgesamt klingt der Vorgang komplizierter als er ist. Die Blätter zu füllen geht eigentlich recht schnell.

Sobald alle Blätter gefüllt sind, legt man den Boden eines geeigneten Topfes mit den übrig gebliebenen Blättern aus, um ein Anbrennen der kleinen Pakete zu verhindern. Diese werden dicht nebeneinander auf die Blätter gelegt, wobei man zwei gestiftelte Knoblauchzehen in die Zwischenräume steckt. Mit dem Saft mindestens einer Zitrone beträufeln und etwa einen Achtelliter leicht gesalzenes Wasser angießen (ich nehme dazu das nachgesalzene Blanchierwasser, dem ich zwei bis drei Pimentkörner zufüge). Damit die Päckchen hübsch in Form bleiben, werden sie mit einem kleinen Teller beschwert. Im geschlossenen Topf zwei Stunden lang auf kleiner Flamme kochen und wenn nötig Wasser nachgießen. Die gefüllten Weinblätter heiß oder kalt servieren.

Vegetarier nehmen statt des Hackfleischs die doppelte Menge Reis, der mit 50 g gerösteten Pinienkernen und zwei Eßlöffeln gehackten Frühlingszwiebeln ergänzt werden kann. Dazu kann die Mischung etwas Zimt und gemahlenen Piment vertragen.

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