Ein kleiner Einwanderer, der rein aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland gekommen ist: Kürbis.

Und wieder ein Beitrag zur Einwanderungsdebatte: Kürbis – hier als Marmelade

Es ist so herrlich, nach dem Urlaub durch einen frisch ergrünten Garten zu gehen. Ich hatte schon gedacht, die Hitze wird ihn in meiner Abwesenheit in eine Wüste verwandeln. Weit gefehlt, es hat genügend geregnet, wobei die Unwetter löblicherweise an diesem Flecken Erde vorbeigezogen sind. Im Urlaub habe ich es mir mit einem guten Schmöker am Strand gemütlich gemacht: Genauer gesagt, mit einem Geschichtsbuch. Das war spannender als viele Krimis. Es geht um die Veränderungen von Flora, Fauna und Homo sapiens, die die Entdeckung Amerikas mit sich brachte. Meine Kürbiskolonie hinten im Garten ist ein Ergebnis dieses kolumbianischen Austauschs. Das Marmeladenrezept stammt allerdings aus Mallorca.

Kolumbus Erbe‘

Nie hätte ich gedacht, das Geschichte so anschaulich und interessant sein kann, und dabei viel von unserem Hier und Jetzt erklärt. Vor zwei Jahren habe ich mir auf der Frankfurter Buchmesse einen dicken Schinken gekauft. Allein, weil mir der Titel gefiel: Kolumbus‘ Erbe – Wie Menschen, Tiere, Pflanzen die Ozeane überquerten und die Welt von heute schufen. Weil das Werk jedoch so dick war, verstaubte es erstmal vor sich hin. Nun fiel es mir beim Packen in die Hände und ich hatte Mitleid mit dem Geld, das ich dafür ausgegeben hatte. Also kam es mit. Innerhalb von einer Woch habe ich es verschlungen, war kaum davon wegzubekommen.

Beispielsweise wird darin die Anbauweise der amerikanischen Ureinwohner erklärt, die Beete völlig anders gestalten als die Europäer, die immer alles hübsch ordentlich nach Sorten getrennt haben wollen. Was spricht bitte dagegen, in jedes Loch, in das man Maissamen steckt, auch gleich immer ein paar Bohnen hinzuzufügen, damit sie am Mais hochranken können? Man spart sich die Rankhilfe und stabiler ist die ganze Sache auch noch. Als aber die Europäer die Regenwürmer mitbrachten, änderte sich die Natur völlig. Zwar konnten Mais und Bohnen immer noch gedeihen, viele andere Pflanzen verschwanden jedoch.

Dann brachten die Europäer die Malaria und dezimierten damit die Ureinwohnerschaft. Was wiederum zu einer kleinen Eiszeit in Europa führte, denn die Ureinwohner hatten bis dahin riesige Waldgebiete durch Brandrodung bearbeitet (und gepflegt), was nun wegfiel. Wurde früher viel CO2 in die Luft gejagt, blieb es nun im Boden, wodurch sich das Klima abkühlte. Ach, ich könnte noch Stunden lang aus dem Buch berichten – widmen wir uns lieber der Kürbismarmelade.

Kürbismarmelade

Dazu putzt man drei Pfund Kürbis. Mein Bild zeigt meinen kleinen Gartenkürbis englischer Züchtung, aber hier passt besser ein Muskatkürbis oder ein ähnlicher großer. Das Fleisch wird in kleine Würfel geschnitten und in einem Kochtopf mit gut einem Kilo Zucker, der abgeriebenen Schale von jeweils einer halben Apfelsine und Zitrone sowie einem Esslöffel Weinbrand vermischt. Den Topf abdecken und die Mischung über Nacht ziehen lassen.

Am nächsten Tag die Mischung unter Rühren zum Kochen bringen und bei schwacher Hitze etwa 20 Minuten lang köcheln lassen. Danach in vier bis fünf Gläser füllen. Auf frischem, noch warmen Weißbrot ein Gedicht!

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3 Gedanken zu „Und wieder ein Beitrag zur Einwanderungsdebatte: Kürbis – hier als Marmelade“

  1. Hallo Brigitte, ich bin ganz und gar in deine Geschichte eingetaucht und hätte ihr immer weiter „lauschen“ können. Sehr schön geschrieben…und dein Rezept werde ich unbedingt ausprobieren. LG

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