Kirschpflaumen ergeben eine wundervolle Marmelade.

Heimische Exoten: Kirschpflaume – hier als Gelee

Neulich hat sich meine Mutter im Supermarkt zum Kauf eines Marmeladenglases regelrecht verführen lassen. Das Etikett versprach exotischen Fruchtgenuß mit einer Mischung aus Mango, Ananas und noch irgendeiner Sorte, die ich schon wieder vergessen habe. Unsere Enttäuschung beim Frühstück war groß, denn das gelbe Mus schmeckte vor allem fade, nach verdünntem Multivitaminsaft aus der Tüte. Warum in die Ferne schweifen? dachte ich mir. Bei ihr in der Nähe steht auf dem Kinderspielplatz im Gebüsch ein niedriger Baum, der voll mit roten, kirschgroßen Früchten hing. Davon pflückte ich mir eine große Tüte voll. Ich dachte zunächst, das seien Mirabellen. Jedoch dufteten sie so verführerisch nach Pflaume, dass ich mich nochmal schlau machte. Inzwischen weiß ich, dass ich mir die Kellerregale mit Kirschpflaumen-Gelee gefüllt habe.

Obstbäume im Garten

Immer, wenn ich etwas über Obstbäume lese, verspüre ich das unmittelbare Verlangen, mir genau dieses Exemplar in den Garten zu pflanzen. Keine Ahnung, was da im Gehirn abläuft, aber vor meinem geistigen Auge erscheinen sofort Bilder von Zweigen, die sich vor reifen Früchten nach unten biegen; ich rieche und schmecke die leckersten Äpfel, Birnen oder worum es sich gerade jeweils handelt. Dabei ist mein Garten erstens gar nicht groß genug, um noch mehr Bäume unter zu bringen. Zweitens ist der Anbau von Baumobst eine Kunst für sich. Einige Sorten, wie Birnen oder Pflaumen, bringen gar keine Früchte hervor, wenn sie nicht ein Pendant in der Nähe haben. Das muss man wissen, wenn man sich für den Kauf eines neuen Baums entscheidet. Und dann will so ein gezüchteter Zimperling auch noch gepflegt werden.

An dieser Stelle muss ich unbedingt meinem Stolz freien Lauf lassen und von einem großartigen Erfolg berichten, der zwar für Uneingeweihte außerordentlich dürftig ist, mir aber eine freudige Genugtuung eingebracht hat. Dieser Erfolg besteht aus einem knappen Duzent, von den Vögeln angepickten Pflaumen, einer einzigen Reineclaude und drei sauren Äpfeln. Und dennoch habe ich mich so sehr darüber gefreut, wie eine Mutter über das erste Gebrabbel ihres Babys! Als wir unseren Garten vor drei Jahren übernommen hatten, war er in einem erbärmlichen Zustand. Was habe ich mir in den letzten Wintern den Rücken mit dem Beschnitt der verpilzten Bäume kaputt gemacht. Immerhin, seit diesem Sommer weiß ich wenigstens, dass der Pflaumenbaum gelbe Früchte trägt; das war vorher nicht erkennbar. Beharrlichkeit und Geduld zahlen sich also doch aus. Nächsten Sommer reicht es vielleicht für einen Pflaumenkuchen.

Kirschpflaumen-Gelee

Die Beschäftigung mit Gartenpflanzen ist eine erhebliche Bereicherung für die gesamte Migrationsdebatte, das merke ich immer wieder. Denn was ist eigentlich exotischer, eine ursprünglich aus Indien stammende Mango, die mir nur als importierte Ware zum Kauf angeboten wird, oder eine quasi einheimische Kirschpflaume, die kaum einer kennt? Abgesehen davon, dass die Kirschpflaume zu Zeiten der Kelten aus dem Balkan eingewandert ist, ging aus ihrer Kreuzung mit der Schlehe unsere altbekannte Pflaume und auch die Mirabelle hervor. Die würde wohl niemand im deutschsprachigen Raum als exotisch empfinden. Jaja, so ist es mit den Einwanderern. Jedenfalls weiß ich wirklich nicht, was jemand essen möchte, der sich auf rein heimisches Kost konzentrieren will. Ohne Einwanderung wird es da ziemlich leer auf dem Teller, aber das Thema hatte ich schon.

Für das Gelee habe ich die Kirschpflaumen zunächst entsteint, wobei es in ihrer Natur liegt, das sich der Stein schwer löst. Immerhin liegt es auch in ihrer Natur, dass sie in einen Kirschentsteiner passen, was sehr hilfreich ist. Dann habe ich sie mit wenig Wasser so weich gekocht, dass ich sie danach durch ein Sieb streichen konnte. Hier ergab sich ein faszinierender Effekt: Während die rohen Früchte ziemlich langweilig schmecken, entwickelten sie in gekochter Form ein sehr feines Pflaumenaroma. Das animierte mich dazu, die Masse zu teilen und die erste Hälfte eins zu eins mit Gelierzucker einzukochen – für das pure Vergnügen. Unter die andere Hälfte rührte ich einen großen Teelöffel von dem Zimt, den ich mir gerade aus Marokko mitgebracht habe. Dann habe ich auch diese Masse eins zu eins mit Gelierzucker eingekocht und in Gläser gefüllt. Jetzt habe ich zwei verschiedene Versionen, die sich sogar in der Farbe etwas unterscheiden.

Zimt: Wer das Glück hat, in Länder mit einer nicht abgepackten Versorgung von Gewürzen zu reisen, sollte sich dort unbedingt mit selbigen versorgen. Ich habe bei mir Zimtstangen aus Sri Lanka und Dubai, die zwar schon Jahre alt aber immer noch vorzüglich im Aroma sind. In Marokko wurden jetzt frische Stangen direkt vor meinen Augen zu Pulver zermahlen. Der Duft ist umwerfend! Kein Vergleich zu dem Zeug, welches uns hier im Supermarkt in Plastiktütchen angeboten wird.

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