Herbstzeit ist Kartoffelzeit!

Rustikale Beilage für’s Wintergrillen oder vegetarischer Einzelgänger: Kartoffel-Spitzkohl-Salat

Gut, dass ich meine Kartoffeln Ende Oktober aus der Erde geholt habe. Die kurzen Nachfröste hatten jegliches Wachstum abgeblockt. Die warmen Tage im November und Dezember sorgten jedoch dafür, dass schon wieder alles grünt, sprießt und nochmal austreibt. Meine Rosen haben neue Blüten angesetzt und einige Frühlingsblumenzwiebeln haben die Blätter schon weit nach oben geschoben. Wenn es zu Jahresanfang nochmal frostig wird, hoffe ich, dass diese Kandidaten einen Plan B zur Hand haben. Sonst könnte es im Beet ganz schön kahl werden. Da wir die Sache eh‘ nicht beeinflussen können, machen wir es uns gemütlich beim Wintergrillen in lauen Temperaturen – Lieblingsbeilage ist Kartoffel-Spitzkohl-Salat.

Kartoffeln – Retter in der Hungersnot, Ursache für Hungersnot

Zum Pflanzen von Kartoffeln ist eigentlich schon alles gesagt worden: Man steckt sie ganz oder in Stückchen in den Boden und wartet ab. Das sollte in frostfreien Zeiten geschen, weil diese Andenpflanzen zwar noch in 4.000 m Höhe wächst, aber dennoch keinen Frost verträgt. Ansonsten ist sie genügsam und bescheiden, wodurch sie sogar mehrmals im Jahr angebaut werden kann. Mein Gartennachbar sagte einmal zu mir, dass der Kartoffelanbau die besten Renditen hervorbringt, und es stimmt. Steck‘ ein Stück in den Boden und Du bekommst mindestens vier zurück. Wer aus einer Kartoffel drei Stücke geschnitten hat, erhält somit 12, und zwar innerhalb von höchstens sechs Monaten!

Das ist auch der Grund, warum viele gescheite Europäer sich im 17. Jahrhundert für die Verbreitung des Kartoffelanbaus einsetzten. Vielerorts wurde damit das Getreide als Hauptnahrungsmittel ersetzt, welches viel sensibler ist und bis dahin nur einmal im Jahr gepflanzt werden konnte. Bei Getreide-Missernten drohte eine Hungersnot, der erst im Folgejahr durch neue Pflanzungen entgegengetreten werden konnte. Beispielsweise in Irland, aber auch in anderen Regionen, explodierte die Bevölkerung durch die neue Sättigungsbeilage regelrecht.

Leider liegt es offenbar in der Natur des Menschen, angesichts solcher Entwicklungen vor lauter Enthusiasmus den Realitätsinn zu verlieren. Denn in der Folge kam es zu monokulturellem Anbau dieser Knolle, die zudem noch aus ihren eigenen Klonen gezogen wurden. Wie ich eingangs erwähnte, genügt ja ein Stück von einer Knolle, um neue zu erzeugen. Es findet folglich keine Besamung und damit keine Übertragung von fremden Genen statt. Diese Einseitigkeit hatte nun wieder zur Folge, dass irgendwann Mitte des 19. Jahrhunderts ein kleiner Eipilz namens Phytophthora infestans von Nordamerika kommend über den Atlantik nach Europa segelte. Für ihn ist dieser Kontinent mit all seinen abwehrschwachen Kartoffelfeldern bis heute das wahre Schlaraffenland. Während es dem Pilz gut geht, verdirbt duch ihn die Kartoffelernte unwiderruflich – übrigens der gleich Pilz, der auch den Tomatenpflanzen sehr zusetzen kann.

Somit kam es im 19. Jahrhundert zu weiteren schweren Hungersnöten, denen allein in Irland mindestens 1 Million Menschen zum Opfer fielen und die dort für die Auswanderung von mindestens 2 weiteren Millionen Menschen sorgten. Auch andere europäische Regionen waren betroffen. Der Kartoffelkäfer tat sein übriges dazu bei, dass Mitte des 19. Jahrhunderts auch die chemische Pestizid-Industrie ihren Anfang nahm.

So unschuldig klein und vitaminreich die Kartoffel auch ist, ihr Einzug in Europa hatte folglich enorme sozioökonomische Auswirkungen. Sie ist übrigens auch basenbildend und ihr Verzehr kann bei Übersäuerung und Stress helfen, die Balance wiederzufinden. Ich finde sie vor allem lecker, unter anderem in Form meines Kartoffel-Spitzkohl-Salats.

Kartoffel-Spitzkohl-Salat

Dazu wäscht man ein Kilo Kartoffeln. Drillinge passen prima, andere gehen aber auch. Wer’s bunt mag, kann auch die violetten Kartoffeln probieren, die in den letzten Jahren wieder in Mode gekommen sind. Sie werden in der Schale als Pellkartoffeln mindestens 20 Minuten lang gekocht, bis sie gar sind.

In der Zwischenzeit putzt man einen kleinen Spitzkohl von 600 bis 800 g. In nicht zu feine Streifen schneiden, mit Salz bestreuen und kneten, bis sich das Volumen etwa halbiert hat. Dann die Würfel von zwei Zwiebeln in 60 ml Essig aufkochen. Ich nehme dazu Apfelessig – der Bekömmlichkeit wegen, man kann es aber auch feiner haben und statt zwei Zwiebeln drei Schalotten in weißem Balsamico-Essig kochen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt! Jedenfalls muss die Mischung kochendheiß über den Kohl gegossen werden, der daraufhin mit einer kräftigen Prise Zucker, etwas Pfeffer und zwei Esslöffeln Sonnenblumkernöl abgeschmeckt wird.

Wenn die Kartoffeln gar sind, sollten sie etwas abkühlen, bevor ich sie in mundgerechte Stücke schneide. Die für Kartoffelsalat sonst üblichen Scheiben sind hier nicht so geeignet, denn es soll ja rustikal werden. Die noch warmen Kartoffeln werden unter den Kohl gemischt und dürfen nun mit diesem mindestens eine Stunde lang ruhen. Achtung: Das Probieren hat schon in diesem Stadium Suchtpotenzial.

Kurz vor dem Sevieren rührt man zwei Esslöffel gehackte Petersilie (in der feinen Version eignet sich auch Schnittlauch, Kerbel oder anderes Kraut) und drei Esslöffel Mayonaise unter, die ich immer selbst mache (siehe: Waldorfsalat). Dann hebe ich noch drei in Stücke geschnittene, gekochte Eier unter und ab an das Grillbuffet.

 

 

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