Heimische Exoten: Kirschpflaume – hier als Gelee

Neulich hat sich meine Mutter im Supermarkt zum Kauf eines Marmeladenglases regelrecht verführen lassen. Das Etikett versprach exotischen Fruchtgenuß mit einer Mischung aus Mango, Ananas und noch irgendeiner Sorte, die ich schon wieder vergessen habe. Unsere Enttäuschung beim Frühstück war groß, denn das gelbe Mus schmeckte vor allem fade, nach verdünntem Multivitaminsaft aus der Tüte. Warum in die Ferne schweifen? dachte ich mir. Bei ihr in der Nähe steht auf dem Kinderspielplatz im Gebüsch ein niedriger Baum, der voll mit roten, kirschgroßen Früchten hing. Davon pflückte ich mir eine große Tüte voll. Ich dachte zunächst, das seien Mirabellen. Jedoch dufteten sie so verführerisch nach Pflaume, dass ich mich nochmal schlau machte. Inzwischen weiß ich, dass ich mir die Kellerregale mit Kirschpflaumen-Gelee gefüllt habe. Heimische Exoten: Kirschpflaume – hier als Gelee weiterlesen

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Und wieder ein Beitrag zur Einwanderungsdebatte: Kürbis – hier als Marmelade

Es ist so herrlich, nach dem Urlaub durch einen frisch ergrünten Garten zu gehen. Ich hatte schon gedacht, die Hitze wird ihn in meiner Abwesenheit in eine Wüste verwandeln. Weit gefehlt, es hat genügend geregnet, wobei die Unwetter löblicherweise an diesem Flecken Erde vorbeigezogen sind. Im Urlaub habe ich es mir mit einem guten Schmöker am Strand gemütlich gemacht: Genauer gesagt, mit einem Geschichtsbuch. Das war spannender als viele Krimis. Es geht um die Veränderungen von Flora, Fauna und Homo sapiens, die die Entdeckung Amerikas mit sich brachte. Meine Kürbiskolonie hinten im Garten ist ein Ergebnis dieses kolumbianischen Austauschs. Das Marmeladenrezept stammt allerdings aus Mallorca. Und wieder ein Beitrag zur Einwanderungsdebatte: Kürbis – hier als Marmelade weiterlesen

Es muss nicht immer Eis sein – eiskalte Erdbeerroulade tut es auch

Inzwischen ist es im Garten tagsüber so unerträglich heiß, dass ich dort nach 10 Minuten völlig dehydriere. Sämtliches Getier – Eidechsen, Mäuse, Schlangen und Schnecken – haben sich irgendwohin verkrochen. Ganz zu schweigen von den niedlichen kleinen Kröten, von denen ich in diesem Jahr überhaupt bloß ein einziges verwirrtes Exemplar auf dem Sandweg zum Garten gesehen habe. Nur meine Erdbeeren gucken keck aus der Wäsche. Haben sie doch eine Mulchdecke aus dem letzten Rasenabschnitt für lange Zeit abbekommen, danach ist der Rasen weitgehend vertrocknet. Die Erdbeeren fühlen sich sichtlich wohl unter ihrem Schutz. Ich mache es mir lieber an der Kaffeetafel mit ein paar netten Freundinnen und einer eiskalten Erdbeerroulade gemütlich – schön im Schatten! Es muss nicht immer Eis sein – eiskalte Erdbeerroulade tut es auch weiterlesen

Weinlaub kann man essen

Wenn ich so durch den Garten gehe, bricht es mir das Herz, wie vertrocknet alles ist. So langsam komme ich mir vor wie in der Wüste. Selbst, wenn ich jeden Tag mein Obst und Gemüse gieße, sehen die Pflanzen immer vertrockneter aus. Nur ganz hinten im Garten wuchert der Wein der Nachbarn fröhlich vor sich hin und zu uns herüber. Dabei schlingt er sich um alle Büsche, die ich an der Grenze gepflanzt habe. Macht nichts, mit dem richtigen Rezept kann man den grünen Blätter sehr viel kulinarische Freude abgewinnen. Weinlaub kann man essen weiterlesen

Letztes Sommerrezept: Gurkensuppe

Heute ist der astronomische Herbstanfang – der sich nach dem Stand der Sonne und der Tag-Nacht-Gleichheit richtet. Ich betone dies deshalb sosehr, weil mir noch gestern Abend eine mir bekannte Lehrerin lang und breit erklärte, dass wir schon seit zweit Tagen Herbst hätten. In der Tat kann der Termin durchaus um einen Tag verrutschen, aber nicht um drei Tage. Naja, so eine Lehrerin irrt sich auch mal.

Da wir heute einen sehr sonnigen Herbstanfang haben, nutze ich die Gelegenheit für ein allerletztes Sommerrezept. Einerseits gedenke ich damit des Sommers, der in diesem Jahr etwas launisch war. Andererseits ergibt sich damit eine gute Gelegenheit, meine Gurken ins Spiel zu bringen. Denen ist die Jahreszeit völlig schnuppe, sie wuchern, blühen, bringen Frucht, dass es eine wahr Freude ist. Das kann ich vom umliegenden anderen Gemüse nicht gerade behaupten.

Die Samen für die Pflanzen hatte ich im Frühjahr bei einem Discounter in Form eines Saatbands erstanden – Gurken und Dill im Wechsel. Eigentlich kaufe ich nur biologisch wertvolle Züchtersorten, bei denen man die Kerne im nächsten Jahr wiederverwenden kann. Aber weil das Tütchen hübsch aufgemacht war, blieb ich denn doch nicht konsequent. Das Samenband kam erst recht spät in die Erde, nämlich Ende Juni in ein Hochbeet, das bis dahin als Babystation für meine Tomaten fungierte. Ich gelange eigentlich immer mehr zu der Überzeugung, dass eine zu frühe Auspflanzung bestimmt schlechter ist als eine zu späte. Daher fand ich nichts dabei, dass ich die Samen zu einer Zeit in die Erde steckte, als der Nachbar uns schon die ersten Gurken aus seinem Garten schenkte.

Bei diesem unbeständigen Sommer war das Hochbeet genau das richtige. Während die Tomaten im Freibeet bei Nachttemperaturen um die 6° C förmlich erfroren, schützte und wärmte die Kontruktion des Hochbeets alle darin enthaltenen Pflanzen. Die Gurken sind dann auch regelrecht explodiert, obwohl sie auf dem Tütchen als wenig Platz beanspruchend beschrieben waren. Inzwischen habe ich das ganze Hochbeet mit Gittern umstellt, denn die Gurken haben beschlossen, auf keinen Fall brav dadrin zu bleiben. Sie lohnen es mir mit vielen Früchten, die schon seit Tagen unseren Speiseplan bereichern.

Kalte Gurkensuppe

Für die Gurkensuppe verschlägt man einen halben Liter Milch mit einem halben Liter Joghurt. Wer Alkohol mag, kann auch noch ein Glas Weißwein dazu geben. Ansonsten kann man etwas Sprudelwasser hinzufügen. Dazu kommt der Saft einer halben Zitrone und eine kleine, feingehackte Zwiebel. Eine mit Salz zerdrückte Knoblauchzehe, kleingeschnittener Dill, Pfeffer und Zucker würzen die Suppe. Dann eine Gurke (oder zwei kleine) waschen, eventuell die Schale dran lassen und in die Suppe hobeln. Vor dem Servieren sollte man die Suppe eine Stunde lang im Kühlschrank ziehen lassen.

An heißen Tagen ersetzt diese Suppe ein ganzes Mittagessen und ist auch ein toller Durstlöscher.

Sanddorn – Schutz und Vitaminbombe

Am Ende des Gartens habe ich drei Sanddornbüsche gepflanzt. Ein Männchen, ein Weibchen und einen Zwitter. Bei Sanddorn ist es wesentlich, ein Männchen für mindestens ein Weibchen zu haben, sonst gibt es keine Kinder, beziehungsweise Beeren. Was ich erst jetz bemerkt habe: Sanddorn vermehrt sich nicht nur über Früchte, sondern auch über Rhizome, die sich gerne weitflächig ausbreiten. Hoffentlich gibt das nicht irgendwann Ärger mit den ansonsten sehr netten Nachbarn…

Meine Idee war, sowohl einen Schutz vor ungebetenen menschlichen Besuchern zu bekommen, als auch eine Vitaminquelle zur Bereicherung unseres Speiseplans zu schaffen. Mir schwebte eine Hecke ähnlich einem norddeutschen „Knick“ vor. Diese sollte hälftig aus Schlehen, hälftig aus Sanddorn bestehen. Die Schlehen wurden gleich im ersten Jahr durch einen harten Winter dezimiert, so dass dort jetzt zwei Schlehen stehen, in deren Mitte ich eine eine Pilnitzer Vitaminrose gepflanzt habe. Bisher hat diese Hälfte meines Knicks noch keine Früchte gebracht, aber immerhin sollen die Schlehenblüten auch gut für die Befruchtung von Pflaumenbäumen sein.

Nachdem der Sanddornzwitter gleich in seinem ersten Jahr einige Früchte brachte, hat sich in diesem Jahr das Weibchen mächtig ins Zeug gelegt und ein halbes Pfund saftiger, orangefarbener Beeren angesetzt. Die Ernte war angesichts der langen Dornen gar nicht so einfach. Daher bin ich ob der Schutzfunktion der Sträucher doch sehr zuversichtlich.

Hagebutten-Sanddorn-Marmelade

Aus einer so geringen Menge Frucht lässt sich eigentlich nichts machen. Deswegen habe ich eineinhalb Pfund Hagebutten hinzugenommen. Es ist eine ziemlich Arbeit, die Hagebutten von den Kernen zu befreien, aber die Marmelade hat hinterher einfach eine bessere Qualität, wenn man sich die Mühe macht. Dann habe ich die Früchte nach Sorten getrennt mit Wasser bedeckt und einige Stunden stehen gelassen. Zuerst habe ich die Hagebutten mit dem Wasser 15 Minuten lang gekocht, dann habe ich die Sanddornbeeren mit ihrem Wasser zugefügt und noch weitere 5 Minuten mitkochen lassen. Unbedingt einen Deckel auflegen, denn die Sanddornbeeren platzen – Sanddorn scheint es in jeder Hinsicht auf weitreichende Wirkung abgesehen zu haben.

Am Ende alles zusammen noch heiß durch ein Sieb geben, so erhielt ich 1 Kg Fruchtmark. Das habe ich mit Gelierzucker laut Packungsanweisung zu Marmelade verarbeitet. Hagebutten enthalten übrigens noch viel mehr Vitamin C als Sanddorn. Besser und schmackhafter kann man sich gar nicht vor Erkältungen schützen!

Echte Hamburger rote Grütze

Bei roter Grütze scheiden sich offensichtlich die Geister. Jedenfalls fällt das dickflüssige Beerenkompott, welches man inzwischen in allen Restaurants als Nachtisch erhalten kann, für mich nicht unter diese Bezeichnung. Ich kenne etliche Menschen aus Hamburg, denen es ähnlich geht. Das dickflüssige Beerenkompott stammt meinem Vernehmen nach aus Dänemark und wurde seit den siebziger Jahren (jedenfalls reicht meine Erinnerung so lange) in Plastiksäckchen im Supermarkt angeboten. Auch wenn ich der dänischen Küche nicht zu nahe treten möchte, es hat uns Kindern nicht besonders geschmeckt, und das geht mir bis heute so. Daher hier das Rezept meiner Kindheit.

Man nimmt einen Beerensaft. Zum Beispiel den Rest, wenn bei der Abfüllung des Brombeersafts etwas übrig geblieben ist. Dieser wäre allerdings zu konzentriert, man sollte ihn für die Grütze besser noch mit ein wenig Wasser verdünnen. Wenn wir uns früher zum Besuch angesagt haben, hat meine inzwischen leider verstorbene Tante immer schnell Johannisbeeren gepflückt und erst zu Saft, dann zu Grütze gekocht. Auf einen halben Liter Saft, dem schon ausreichend Zucker zugefügt worden ist (Menge nach Geschmack), nimmt man entweder 40 g Speisestärke oder 40 g Vanillepuddingpulver. Saft und Pulver verarbeitet man nach Packungsanleitung zu einem Pudding. Abgekühlt ißt man die Grütze mit Sahne oder Milch. Vanillesoße kommt in meiner Erinnerung im Zusammenhang mit roter Grütze nicht vor. Die Grütze kann als vollständige Mittagsmahlzeit dienen.

Einige ältere Hamburgerinnen haben mir erzählt, dass früher unter die fertige, noch warme Grütze frische Erdbeerstücken gerührt wurden. Das habe ich nie probiert, soll aber gut schmecken. Die einzige Grütze, die meiner Kenntnis nach Fruchtstücke enthält, ist Stachelbeer- oder Rhabarbergrütze. Man putzt das Obst (der Rhabarber wird zerkleinert) und setzt es mit Wasser und Zucker auf. Wenn es zerfällt, die ausreichende Menge Puddingpulver oder Speisestärke unterrühren – fertig.

Warum heißt „rote Grütze“ „Grütze“? Es gibt bestimmt wissenschaftliche Untersuchungen darüber, die ich jedoch nicht kenne. Hier meine Vermutung: „Grütze“ hängt etymologisch mit „grob“, „groß“ und „Grieß“ zusammen und bezeichnet grobgemahlenes Getreide. Es ist in Hamburg und Norddeutschland üblich, einen dicken Brei aus Buchweizengrütze – also grob gemahlenen Buchweizen – zu kochen und ihn mit Zucker bestreut und Milch begossen zu Mittag zu essen. Für diesen Brei hat sich die Bezeichnung „Grütze“ durchgesetzt. Ich nehme an, dass der rote Fruchtbrei, der von Konsistenz und Verwendung her dieser Grütze sehr ähnelt, analog so bezeichnet wurde. Die Konsistenz war uns Kindern übrigens sehr wichtig, sie gleicht der von Götterspeise. Schon deshalb ist das übliche dickflüssige Beerenkompott in meinen Augen keine Grütze. In russischen Kochbüchern gibt es etwas, das man Kissel nennt, und das ziemlich ähnlich wie meine rote Grütze zubereitet wird. Welche Kultur nun die andere beeinflusst hat oder ob einfach verschiedene Leute auf die gleiche Idee gekommen sind, kann ich nicht sagen.