Träumen vom Sommer mit gefüllter Paprika

Jetzt ist die Zeit, in der wir Gärtner uns daran machen, Träume wahr werden zu lassen. In der einen Hand das Samentütchen, in der anderen das Anzuchtgefäß – und los geht’s. Achja, in meiner Traumwelt gibt’s keine Schnecken, keine Kaninchen, keine Hitzeperiode, keinen Frühjahrsfrost. Im für Ende Februar typischen Schmuddelwetter ist das alles in weite Ferne gerückt, nur die tollen Bildchen auf den Samentütchen versprechen eine überwältigende Ernte. Und weil das alles noch gar so weit hin ist, kaufe ich Paprika im Supermarkt und fülle sie. Träumen vom Sommer mit gefüllter Paprika weiterlesen

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Salatzutat und Raupenmahlzeit: Kapuzinerkresse

Wenn im Herbst so langsam alle Pflanzen, Felder und Beete ihr eher tristes Winterkleid anlegen, ist man froh um jeden Farbklecks, der noch besteht. Da begeistert einen zum einen das unvergleichliche Herbstlaub, zum anderen die späten Schönheiten, von denen Vita Sackville-West (siehe Links) schon so begeistert war. Sie träumte von einem Herbstgarten ganz in rot, orange und gelb und erwähnte zu allererst die Kapuzinerkresse. Das Exemplar ihrer Träume war scharlachrot – meine hingegen sind gelb mit einem roten Einsprengsel. Wer einmal nach Tropaeolum speciosum googelt, wird erstaunt sein, wie viele verschiedene Farben diese Kreuzblütlerartigen hervorbringen.

Das milde Oktoberwetter hat auch meine Kapuzinerkresse nicht in ihrem Hochbeet halten können, so dass sie jetzt im Garten auf Wanderschaft geht. Sehr zur Freude vieler gelb-schwarzer Kohlweißlingraupen übrigens, die sich darin in Scharen niedergelassen haben. Immerhin ließen sie mir noch genügend Blätter und Blüten übrig. Denn diese sehen nicht nur hübsch aus, sie schmecken auch gut und gerade die Blüten sorgen für Farbe im Salat. Die in ihnen enthaltenen Senföle haben eine direkte antibakterielle, antivirale und fungistatische Wirkung. Sie gelten als ein natürliches Antibiotikum, was ich allerdings noch nicht ausprobiert habe.

Hamburger Wurzelsalat in Abwandlung

In Hamburg sagt man zu Karotten Wurzeln, was auf großes Erstaunen in anderen Regionen trifft, denn eigentlich hat ja jede Pflanze Wurzeln. Dieser Salat gehört zu meiner Kindheit dazu, wahrscheinlich weil er einfach zuzubereiten und ziemlich gesund ist. Wir haben ihn vor allem Freitags zu Salzkartoffeln und Fisch gegessen. Man schält so viele Wurzeln, wie man halt haben möchte und raspelt sie auf der feinen Reibe. Dazu kommt eine Soße auch Zitronensaft und Zucker. Durchrühren – fertig. Wer will, kann nun einige Blätter Kapuzinerkresse kleinschneiden und unterheben. Mit den Blüten lässt sich der Salat dekorativ belegen – Blüten später unbedingt mitessen, sind sehr lecker.

Süßer Salat ist typisch für Hamburg. Selbst grüner Salat wird mit einer Soße aus Zitronensaft, Zucker und saurer Sahne angerichtet. Für uns Kinder war es das selbstverständlichste der Welt, dass Salatsoße süß ist. Die eigentlich übliche Vinaigrette aus Essig, Öl, Salz und Pfeffer fanden wir sehr extravagant.

Scheitern gehört zum Handwerk: Vogelbeerenmarmelade

Es geht nicht immer alles gut. So lief es bei mir mit der Vogelbeerenmarmelade. Ich hatte gelesen, dass Vogelbeeren bzw. die Beeren der Eberesche toll für Marmelade, Chutneys etc. sein sollen. Na dann, dachte ich in meiner Experimentierfreude und plünderte eine Reihe von kleinen Bäumen, die die Stadtgärtner am Sportplatz gepflanzt hatten.

Nach Konsultation verschiedener Rezepte und Websites hatte ich das Gefühl, alles richtig zu machen: Erst fror ich die Beeren – immerhin gut zwei Kilo – mehrere Tage lang ein. Dann zupfte ich sie von den Dolden und legte sie über Nacht in Essigwasser, das am nächsten Morgen abgegossen wurde. Mit etwas frischem Wasser habe ich die Beeren gekocht und durch ein Sieb gestrichen. Durch den Kochvorgang verwandelt sich die enthaltene Parasorbinsäure in die verträgliche Sorbinsäure. Nun wollte ich das Mus einmal probieren, was sich als unschönes Erlebnis entpuppte. Eine geschmackliche Mischung aus bitter und sauer, ähnlich der Magensäure am Morgen danach! Wer will sich das bitte aufs Brot streichen?

Unverdrossen mischte ich noch drei Pfund Zucker sowie den Saft von drei Zitronen unter das Mus und kochte es 20 Minuten lang. Die sich einstellende Verbesserung war leider nur gradueller Natur, so dass ich schließlich die Masse als Füllmaterial für mein nächstes Hochbeet benutzte.

Hefewaffeln

Aus lauter Verdruss über das Misslingen meines Experiments machte ich uns Hefewaffeln – und Waffelfans auf dieser Welt: Das ist ein wahrer Knüller! Man bereitet einen Hefeteig aus 250 g feinem Mehl gemischt mit 125 g Weizenvollkornmehl, dazu 75 g Zucker, 125 g Butter in Flöckchen, 3 Eier und eine Prise Salz, alles zusammen wird mit einem Tütchen Trockenhefe vermischt, welches in einem halben Liter warmer Milch aufgelöst wurde. Der Teig ist ziemlich flüssig und eignet sich nicht dazu, mit der Hand durchgeknetet zu werden. Nach einer halben Stunde Gehzeit portionsweise ab ins Waffeleisen und noch warm mit Puderzucker bestreuen – echt lecker!

Pflaumencreme

Dazu kann man Pflaumencreme reichen: einen Becher Sahne mit etwas Vanillezucker steifschlagen, 250 g Magerquark und schließlich ein kleines Glas Pflaumenmus unterrühren. Mein Pflaumenmus ist auch ein Beispiel für das eigene Scheitern: Es ist viel zu fest geworden. So hob ich das Pflaumenmus in einem Stück aus dem Glas und schnitt es in kleine Würfel. Sobald diese mit der Sahne-Quarkmischung in Berührung kamen, begannen sie sich aufzulösen und eine prima Geschmackskomponente zu bilden.

Fazit

Nicht jedes Scheitern endet in einem Desaster. Manchmal kann man noch etwas draus machen. Aber Vogelbeeren kommen mir nie, nie wieder in die Küche!

Letztes Sommerrezept: Gurkensuppe

Heute ist der astronomische Herbstanfang – der sich nach dem Stand der Sonne und der Tag-Nacht-Gleichheit richtet. Ich betone dies deshalb sosehr, weil mir noch gestern Abend eine mir bekannte Lehrerin lang und breit erklärte, dass wir schon seit zweit Tagen Herbst hätten. In der Tat kann der Termin durchaus um einen Tag verrutschen, aber nicht um drei Tage. Naja, so eine Lehrerin irrt sich auch mal.

Da wir heute einen sehr sonnigen Herbstanfang haben, nutze ich die Gelegenheit für ein allerletztes Sommerrezept. Einerseits gedenke ich damit des Sommers, der in diesem Jahr etwas launisch war. Andererseits ergibt sich damit eine gute Gelegenheit, meine Gurken ins Spiel zu bringen. Denen ist die Jahreszeit völlig schnuppe, sie wuchern, blühen, bringen Frucht, dass es eine wahr Freude ist. Das kann ich vom umliegenden anderen Gemüse nicht gerade behaupten.

Die Samen für die Pflanzen hatte ich im Frühjahr bei einem Discounter in Form eines Saatbands erstanden – Gurken und Dill im Wechsel. Eigentlich kaufe ich nur biologisch wertvolle Züchtersorten, bei denen man die Kerne im nächsten Jahr wiederverwenden kann. Aber weil das Tütchen hübsch aufgemacht war, blieb ich denn doch nicht konsequent. Das Samenband kam erst recht spät in die Erde, nämlich Ende Juni in ein Hochbeet, das bis dahin als Babystation für meine Tomaten fungierte. Ich gelange eigentlich immer mehr zu der Überzeugung, dass eine zu frühe Auspflanzung bestimmt schlechter ist als eine zu späte. Daher fand ich nichts dabei, dass ich die Samen zu einer Zeit in die Erde steckte, als der Nachbar uns schon die ersten Gurken aus seinem Garten schenkte.

Bei diesem unbeständigen Sommer war das Hochbeet genau das richtige. Während die Tomaten im Freibeet bei Nachttemperaturen um die 6° C förmlich erfroren, schützte und wärmte die Kontruktion des Hochbeets alle darin enthaltenen Pflanzen. Die Gurken sind dann auch regelrecht explodiert, obwohl sie auf dem Tütchen als wenig Platz beanspruchend beschrieben waren. Inzwischen habe ich das ganze Hochbeet mit Gittern umstellt, denn die Gurken haben beschlossen, auf keinen Fall brav dadrin zu bleiben. Sie lohnen es mir mit vielen Früchten, die schon seit Tagen unseren Speiseplan bereichern.

Kalte Gurkensuppe

Für die Gurkensuppe verschlägt man einen halben Liter Milch mit einem halben Liter Joghurt. Wer Alkohol mag, kann auch noch ein Glas Weißwein dazu geben. Ansonsten kann man etwas Sprudelwasser hinzufügen. Dazu kommt der Saft einer halben Zitrone und eine kleine, feingehackte Zwiebel. Eine mit Salz zerdrückte Knoblauchzehe, kleingeschnittener Dill, Pfeffer und Zucker würzen die Suppe. Dann eine Gurke (oder zwei kleine) waschen, eventuell die Schale dran lassen und in die Suppe hobeln. Vor dem Servieren sollte man die Suppe eine Stunde lang im Kühlschrank ziehen lassen.

An heißen Tagen ersetzt diese Suppe ein ganzes Mittagessen und ist auch ein toller Durstlöscher.